Unter dem Titel „Playing with Trumpets“ hat Michael „Micky“
Moody die Geschichte seiner Kindheit und Jugend veröffentlicht. Warum ich das
Buch lese, wird beim Untertitel klar: „Rock’n Roll-Lehrjahre“ könnte man ihn übersetzen. Außerdem habe ich den Mann als Musiker auf der Bühne erlebt, am 3. April 1971 in der Berliner Deutschlandhalle, als Gitarrist von „Juicy Lucy“.
Zunächst bin ich ein wenig enttäuscht, weil er mit dem Jahr 1969 aufhört. Also die Zeit wegläßt, in der seine Karriere als Musiker eigentlich erst richtig beginnt. Doch das Lesen macht dann großen Spaß. Er erzählt in schönem ironischen Ton, wie es ist, in den 50er und 60er Jahren im Norden Englands. Wie man den Vater um eine Gitarre anbettelt; wie man sich eine Karriere als Fußballer erträumt. Da erkenne ich mich oft wieder. Als einem Kind aus der „Naunynritze“ in Kreuzberg kommt mir vieles sehr bekannt vor. Vielleicht verhindert dieses Gefühl der Vertrautheit die kritische Distanz zu wahren. Doch es ist anregend, in die Zeit einzutauchen, als sich eine völlig neue musikalische Welt direkt vor uns entfaltete. Als man versuchte durch die Hintertür in einen Club oder in ein Konzert zu kommen, weil das Taschengeld nicht reichte. Als man versuchte ein Vox „Wah-Wah“-Pedal zu ergattern, um den richtigen psychedelic Sound hinzubekommen. Insgesamt eine gelungene Schilderung! Wer des Englischen einigermaßen mächtig ist, sollte keine größeren Probleme beim Lesen haben.